Warum wir uns kleiden, wie wir uns kleiden

Welche Faktoren spielen eine Rolle, wenn wir uns kleiden? Welcher Eingebung folgt der Griff in den Kleiderschrank am Morgen?

Der Hut erinnert mich an den Sommerurlaub. Jetzt steht er für den Abschied vom Sommer.

Das Wetter

Zuerst wird man vielleicht auf den Wetterbericht schauen bzw. am Morgen einen Blick aus dem Fenster werfen. Klar, im Schneetreiben trägt man vermutlich keine Sandalette. Und in der Sommerhitze gilt der Rolli nicht als erste Wahl. Trotzdem habe ich schon verschiedentlich festgestellt, dass ich mich bei der Wahl meiner Kleidung nicht an den vorherzusehenden Temperaturen orientiert hatte. Das kann z. B. daran liegen, dass ich keine Bermudas mag und lieber schwitze. Es muss also noch andere Gründe dafür geben, dass ich dieses oder jenes Teil auswähle.

Nicht unbedingt für die sommerliche Hitze geeignet. Ich fand‘s trotzdem schön.

Der Anlass

Ein zweiter Punkt ist sicher der Blick in den Kalender, der mir sagt, welche Situationen heute auf mich warten könnten. Und so werde ich für bestimmte Konferenzen keine Jeans anlegen oder nicht im schwarzen Anzug in den Weiterbildungskurs gehen. Aber auch zu diesem Punkt habe ich bemerkt, dass ich ihm nicht unbedingt immer den Vorrang gebe. Vermutlich bin ich nicht immer der Situation angemessen gekleidet.

Auf einer Schulanfangsfeier

Mode und Status

Der dritte Aspekt könnte der aktuelle Zeitgeist sein. Was ist modisch angesagt? Ich persönlich interessiere mich zwar dafür, aber es leitet mich nicht in der Auswahl meiner Kleidung. Ich bin darum nicht wirklich ein Mode-Blogger, eher ein Stil-Blogger.

Möglich wäre ferner das Status-Kriterium. Ich will womöglich zeigen, was ich mir leisten kann. Auch dieses spielt für mich – so hoffe ich jedenfalls – keine Rolle. Ich glaube auch, dass das Status-Kriterium Menschen irgendwie verkleidet aussehen lässt.

Stimmung, Kreativität und Geschichte

Es müssen also offenbar andere Kriterien sein, die mich leiten. Ich glaube, es sind drei Dinge: Stimmung, Kreativität und Geschichte. Mit Stimmung meine ich: „Heute habe ich Lust auf ein rotes Hemd.“ Ich kann das in diesem Moment gar nicht erklären. Es ist einfach so. Ich beginne übrigens oft mit dem Hemd, wenn ich meine Kleidung auswähle und füge das andere hinzu. Manchmal gerate ich zwar auch in eine Sackgasse und beginne dann mit einem neuen Hemd wieder von vorn. Aber das kommt selten vor. Mein Styling ergibt sich häufig aus der Intuition. Das Wetter lässt mich dann zwar manchmal an meiner Intuition zweifeln, aber doch ist sie oft kräftiger als der pragmatische Blick in den Wetterbericht.

Am Anfang war das rote Hemd

Das zweite ist die Kreativität. Ich habe Freude daran, neues auszuprobieren und bin immer wieder auf der Suche nach bislang ungenutzten Kombinationsmöglichkeiten. Ich versuche, dasselbe Styling nicht allzu häufig wiederzuverwenden. Ich glaube übrigens nicht, dass man dafür ständig neue Sachen kaufen muss. Vielmehr sind die Varianten längst nicht ausgeschöpft. Es macht mir Freude, diese und jene Möglichkeit mal auszuprobieren.

Auch eine Erinnerung an den Sommerurlaub

Das dritte Kriterium ist die Geschichte. Ich glaube, dass es für unser Styling auch eine Rolle spielt, welche Erinnerungen wir mit einem bestimmten Kleidungsstück verbinden. In letzter Zeit habe ich Freude daran, Dinge aus den Tiefen des Kleiderschranks hervorzuholen, die ich länger nicht getragen habe, mit denen aber eine bestimmte Erinnerung verbunden ist. Die Krawatte aus Venedig, der Regenmantel, den ich von meinem Schatz geschenkt bekam, die erste Fliege, die mich zum Wiederholungstäter werden ließ usw. Mit diesen Stoffen wird die Erinnerung zurückgeholt. Und so ist der gestrige Tag in der Kleidung von heute präsent. Ich habe meinen heutigen Blogeintrag darum mit Erinnerungsstücken versehen.

Mein erster Querbinder

Schnürsenkels Wissen

Das Kavalierstuch, wie das Einstecktuch auch genannt wird, wurde seit ca 1830 zur Reitkleidung getragen. Seit einiger Zeit ist es eines meiner Lieblings–Accessoires. Es bietet schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Mit dem Längs- oder Querbinder sollte es nicht absolut identisch sein, sondern etwas dazu variieren. Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Falttechniken. Aber ich finde es am besten, wenn das Tuch einfach nach Lust und Laune eingesteckt wird, wie es ja der Name auch sagt. Eine kleine Feinheit besteht darin, die Schnürsenkel noch dazu zu variieren. Übrigens ist mein Geheimtipp, das Einstecktuch zur Lederjacke zu tragen.

Schnürsenkels Kalender

Bitte denkt daran, dass am 15. September der Tag des Punktes ist.

Viel Spaß beim Styling. Bis bald.

Eine Antwort zu „Warum wir uns kleiden, wie wir uns kleiden”.

  1. Ein wirklich schöner Beitrag und eine tolle Einstellung seine Kleidung nach persönlichen Kriterien auszuwählen. So fühlt man sich doch gleich viel wohler. Ich habe in meinem Schrank einige Sachen, die mir besonders gut gefallen und da denke ich manchmal, ich muss sie mir für passende Gelegenheiten aufheben. Das nächste Mal zieh ich sie einfach mal dann an wenn ich Lust drauf habe.
    Einen schönen Tag dir und liebe Grüße
    Helene

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