
Beim Wandern fallen mir immer so Sprüche ein, die gewiss tiefgreifende Weisheiten enthalten. Aber am nächsten Tag fällt es mir dann schwer, mich zu erinnern, worin die Weisheit genau bestand. Es ist eine Art Poetry Slam, wenn auch nicht unbedingt poetisch. Hier kommen sie also, die Weisheiten des Bergwanderers.

1. Von unten sind die Berge groß, von oben klein. Dabei sind sie immer gleich groß. Seltsam.

2. Vom Gipfel aus scheint das Ziel im Tal sehr nah. Je weiter man aber absteigt, desto ferner erscheint das Ziel.

3. Du musst Dir am besten vor einer schweren Wandertour einreden, dass Du sie ohnehin nicht schaffen kannst. Dann wird es am leichtesten möglich sein, sie zu meistern.

4. Es gibt Wege, die erkennt man zunächst nicht als solche.

5. Absteigen ist schwerer als aufsteigen. Daher ist das Gipfelerlebnis trügerisch. Der schwierigste Teil beginnt erst, wenn du oben stehst. Genieße es trotzdem.


6. Wenn Du den Kuhbikon überschritten hast, hörst Du nur noch das Pfeifen der Murmeltiere. (Der Kuhbikon ist die Grenze, bis zu der Du noch Kühe antriffst. Du kannst freilich trotzdem noch überrascht werden und irgendwo im Niemandsland plötzlich eine Alpenkuh treffen.)

7. komplizierte Bücher lesen sich am leichtesten ab 1000 Höhenmetern (Schiller war in diesem Jahr unser Wanderbegleiter)

8. Die Wahrscheinlichkeit, dass man beim wandern zu spät ankommt, ist deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit, sich mit der Bahn zu verspäteten. Wanderer kommen eigentlich immer zur rechten Zeit.

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