Jüngst erwarb ich eine feine kleine Wichtelschneiderei auf dem Annaberger Weihnachtsmarkt. In Betrachtung derselben wurde mir bewusst, dass dem Stoffmangel durchaus noch beizukommen wäre.

Nicht wenigen wird es ähnlich gehen: an Stoff mangelt es, wo immer man kreativ werden möchte.
Mir fehlt Stoff, so spricht etwa der Poet, dem es an Reimen gebricht. Die Redakteurin beklagt selbiges auf der Suche nach Themen im Nachrichtenloch. An Stoff mangelt’s dem Pfarrer zuweilen im Predigtatelier. Und auch manche Bloggerin beklagt die stoffliche Abstinenz. Ohne Stoff ist man schnell bloßgestellt.
Dann aber betrachtete ich das kleine Schneiderstübchen und wurde gewahr, dass eigentlich immer etwas vorhanden ist, aus dem sich noch etwas schneidern ließe.
Es webt und wirkt der Mensch Zeit seines Lebens, zuweilen verstrickt er sich oder spinnt gelegentlich. Er fädelt neues ein, hat seine Lieblingsmaschen.
Nicht immer sieht er den roten Faden, Aber Stoff hat er immer.
Und in der Tat: Stoffe gibt es allenthalben. Vielfältig wie das Leben sind sie. Abwehrstoffe, Altstoffe und Brennstoffe, Dämmstoffe und Duftstoffe, Farbstoffe sowieso. Kraftstoffe neben Kunststoffen, Leuchtstoffe neben den Lockstoffen.
Nährstoffe, so wenig zu vergessen wie Reststoffe, Rohstoffe oder Sprengstoffe. Zuletzt auch Treibstoffe, Wertstoffe, Wirkstoffe und viele andere mehr.
Am Ende bin ich gar versucht zu fragen: wohin nur mit dem vielen Stoff? Nun, es werden sich gewiss Verwendungsmöglichkeiten finden.
Solange jedenfalls dem Schöpfer der Stoff nicht ausgeht, will auch ich den Stoffwechsel in Gang halten. Neues erproben und bewährtes pflegen.
Wie ich also merkte, dass das Leben stofflich über einen schier unendlichen Vorrat verfügt, wurde mir’s zum Sauerstoff und Zündstoff gleichermaßen.
Manches hängt am seidenen Faden, wie man sagt.
Nicht zuletzt die Lebensfreude und Kreativität.

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