
Niemand kennt sein Werk, aber fast jeder sein „Gesicht“. Der arme Poet. Spitzweg berühmtestes Gemälde hat ihn unsterblich gemacht.
Wir sehen ihn vor uns mit Schirm und Nachtmütze. Seine Kammer ist beengt, das Dach undicht, an Brennstoff herrscht Not, aber sein Geist leidet keinen Mangel. Mit Büchern hat er sich umgeben, die ihm die große, weite Welt erschließen. Zum Forschen findet er immer etwas, und sei es einen kleinen Floh. (Oder was auch immer dieses rätselhafte „Etwas“ in seiner rechten Hand sein mag.)
Er ist gleichsam ein Anwalt der brotlosen Kunst, getrieben von der Leidenschaft, im Schreiben zu verstehen. Und dafür zu manchem Opfer bereit. Arm dran offenbar, aber im Grunde auch ein bisschen reich.
Zugegeben, das ist jetzt leicht gesagt. Meine „Kammer“ ist eher zu groß als zu klein. Und an Heizmaterial mangelt es in der Regel nicht, außer ich vergaß, rechtzeitig den Holzhändler aufzusuchen. Aber auch das wäre, solange die Heizung ihren Dienst versieht, kein wirkliches Problem.
Und doch hat dieser „arme Poet“ etwas, das mich inspiriert. Möglicherweise hat er gar nicht mitbekommen, dass der Maler ihn heimlich gezeichnet hat. Vielleicht ist es ihm auch egal. Und dass ein heute fast vergessener Autor namens Kotzebue ihm bereits 27 Jahre zuvor ein Schauspiel gewidmet hatte, weiß er wohl auch nicht. Ebensowenig ahnt er vermutlich, dass es einmal einen Wikipedia-Artikel über ihn geben wird.
Zwar wäre er einer gewissen Popularität gegenüber nicht abgeneigt. Natürlich wünscht er sich Leserinnen und Leser. Aber im Grunde geht es ihm um’s Schreiben. Darüber kann er die Welt vergessen. Die Frage, ob seine literarischen Versuche gebraucht werden, kennt er, aber er lässt sie nicht zur Leitfrage werden. Er sammelt unnützes Wissen, verfasst Texte, die vor allem ihm gefallen. Er schreibt. Und bleibt. Für lange Zeit noch. Der arme Poet. Er bleibt. Sich treu. Und schreibt.


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