Der Erzhammer. Aber so was von …

Aus dem Erzhammer – für den Erzhammer. In Mode und Komplimenten macht uns keiner was vor.

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht. Wenn ich irgendwo etwas vorlesen darf, dann versuche ich einen Text zu schreiben, der mit dem betreffenden Ort etwas zu tun hat. Das klappt mal mehr oder weniger gut. Ich war z. B. schon im Modeschlösschen, in der Haarmanufaktur, im Atelier. Nun also der Erzhammer.

Irgendwo in den hinteren Winkeln des Deutschen Vokabulars, etwa zwischen hammerhart und hämmern gelegen, befindet sich das Wort hammermäßig.

Wenn ich es richtig sehe, ist es noch recht jung. In meiner gedruckten Duden-Ausgabe von 2000 kommt es nicht vor. Im Online-Duden ist es freilich zu finden, ebenso im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache.

Hammermäßig. Der Laie denkt vermutlich an ein nicht gänzlich abwegiges Urlaubstelefonat zwischen Sachsen und der Ostsee, In welchem in etwa folgende Worte fallen: Un, is  Wetter fei schie? Naja, Sonne hammer mäßig.

Doch weit gefehlt. Das Wörtlein hammermäßig ist keine Verniedlichung einer insgesamt recht bescheidenen Ausbeute. Vielmehr stellt es einen der höchsten Gipfel sprachlicher Ekstase dar.

Es beschreibt eine tolle Sache, etwas, das schlicht der Wahnsinn ist. Vorzüglich. Ausgezeichnet. Das Wort hammermäßig kleidet sich bescheiden, beschreibt aber eine Form höchstmöglichen Genusses. Man wundert sich demnach nicht, dass es zwar theoretisch Steigerungsformen gibt, nämlich hammermäßiger und am hammermäßigsten, diese in der Praxis aber selten sind.

Gänzlich in das Jenseits aller vorstellbaren Superlative gelangen wir nun freilich, wenn wir das Wort noch weiter steigern möchten. Dazu bietet sich in einer Metropole wie Annaberg-Buchholz natürlich die Steigerungsform erzhammermäßig an.

Erzhammermäßig wäre quasi die absolute Steigerungsform des höchstmöglichen Gipfelerlebnisses. Ein echter Neuntausender sozusagen, den es aber im Grund gar nicht gibt. Man könnte diesen sprachlichen Superlativ nur noch toppen mit Frohnauer-Hammer-mäßig. Aber das klingt sprachlich natürlich etwas schwülstig. (Obwohl in Frohnau natürlich die Wiege Annabergs zu suchen ist.)

Alle Welt weiß: Gerade in Sachen Mode sind die Annabergerinnen und Annaberger tatsächlich erzhammermäßig. Sie tragen kurze Hosen bei 10° minus, geklöppelte Stirnbänder, T-Shirts mit reichlich Bewegungsfreiheit und die Pfarrer vorzugsweise Fliegen. Und es geschieht in der Tat nicht selten, dass man in den Gassen etwa folgendes hört: Also, dein Bergkittel ist voll erzhammermäßig. Und deine Froschlampe am Fahrrad, erzhammermäßigster Stone-Man.

Ja, auch in ihren Komplimenten kommen die Erzgebirger den vollstmöglich erzhammermäßigsten und mit drei Frohnauer Hammerschlägen getoppten Qualitätsstandards nach. Manche behaupten ja: „Git Schie“ wäre das höchstmögliche Lob in erzgebirgischen Landen. Aber das stimmt nicht, wie wir jetzt wissen. Es darf auch mal oberhöchstgalaktisch und knapp vor dem herzhammermässigsten Gipfelbuch sein, wenn uns etwas gefällt.

Noch ist es geheim. Aber hier darf ich’s verraten. Die Annaberger Stadtoberen planen aus diesem Grunde ein übelst cooles, quasi himalajamäßiges Superevent. Ein Mundartfestival zum Welttag des Kompliments. Im hiesigen Kulturzentrum in Zusammenarbeit mit dem Frohnauer Hammer. Wäre quasi der Supi unter den Superlativen. Einfach mega erzsthammerstmäßigst. Aber so was von.

Es gibt tatsächlich noch ungehobene Schätze in unserem reichhaltigen Wortschatz. Dos kast mer fei glaam. 

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