Jüngst hatte ich den Klöppelbrief verlegt.

Stadtanzeiger Annaberg-Buchholz 07/08 2024

Drehen – kreuzen, kreuzen – drehen. Wer jetzt an Slowfox oder Wiener Walzer denkt, ist leider in einen Irrtum verstrickt. Denn es handelt sich natürlich um Klöppellatein. Nachdem du zwei Paare gebildet hast (Achtung: Erneute Verwechslungsgefahr mit dem Tanzen), legst du den rechten Klöppel des linken Paares nach rechts über den linken Klöppel des rechten Paares. Da kann man schon mal den Faden verlieren.

Neulich habe ich in meiner Community gefragt, wie die Leute so zum Klöppeln stehen. Nun, es löst gemischte Gefühle aus. Die meisten stimmten für „Tja.“ (45 Prozent) Allerdings sprachen sich auch 5 % der Teilnehmenden für die Hoffnung aus: „Lern ich noch.“ Nur 15 % waren strikt dagegen.

Es gibt also Hoffnung für Annaberger Klöppeltage, die in diesem Jahr zum 35. Mal stattfinden. Bitte den Kalender für den 14./15.9.2024 schon mal vor dem Schlafengehen unter das Klöppelkissen legen, damit euch keiner einen Strick dreht und ihr am Ende keine Tickets mehr bekommt.

Die Klöppelbriefe werden jedenfalls bald verschickt. OK. Ich sehe Euer Stirnrunzeln. Jeder Annaberger Grundschüler weiß natürlich, dass es für Klöppelbriefe keine Briefmarken braucht und keine Postbotin. 

Der Klöppelbrief kommt zwar manchmal auch mit der Post, aber er ist kein Brief im eigentlichen Sinn. Er ist der Musterbogen, quasi der Stadtplan, ohne den keine Klöppelführung gelingen kann. Die Verfasserin eines Klöppelbriefes hält alle Fäden in der Hand und ist die Strippenzieherin im Hintergrund.

Wer am Klöppelkissen sitzt, kennt meistens jemanden, der oder die im Hintergrund die Fäden zieht, sprich: den Klöppelbrief verfasst hat. Als ich jüngst wieder einmal den Turm von Annen bestieg, fand ich ziemlich weit oben, nun ihr ahnt es schon, einen Klöppelbrief, mit dem man die Annenkirche erklöppeln kann. Und ich dachte, wie schön, dass es noch rote Fäden gibt.

Denn manchmal hängt die Hoffnung am seidenen Faden, und ich fühle mich von Sorgen umgarnt. Es klingt jetzt komisch, aber glaube, dass auch Gott Klöppelbriefe verfasst. Ehrlich gesagt bin ich eher der Drauflos-Klöppel-Typ. Mal kreuz ich hier, dann dreh ich dort, aber dabei habe ich nicht immer einen Plan. Wenn es aber tatsächlich den toll eingefädelten Klöppelplan gäbe, könnte mein Leben Spitze sein.

Den Turm von St. Annen werde ich vermutlich nie erklöppeln, und auch beim Kolumnenschreiben wird mir ab und an der Stoff ausgehen. Und manchen Plan werde ich unter fadenscheinigen Gründen aufgeben müssen.

Nun, am besten mache ich es so: Wenn ich mal wieder alle Fäden aus der Hand gegeben habe, nehme ich den Bus nach Schneeberg (bitte in Aue umsteigen) und besuche den einzigen noch existierenden Hochschulstandort Deutschlands, wo man Klöppeln studieren kann (wenn ich richtig informiert bin). Das wird mich inspirieren und vielleicht nehme ich den Faden auf und melde mich bei der Annaberger Klöppelschule an. Als Kommentator natürlich. Drehen, kreuzen, flanken, köpfen. Sorry, jetzt habe ich mich verhaspelt.

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