Demut. Klar.


Mit Demut kennt man sich aus. Alle machen mit, denn Demut ist schick. Der Apostel Petrus hatte schon recht, als er einst schrieb: „Bekleidet euch mit Demut.“

Ehrlich gesagt, ich habe meinen Kleiderschrank betrachtet und gedacht: So viel an Demut ist da nicht dabei. Verrückte Muster, knallige Farben, 60 Fliegen (etwa).

Sie haben es sich im neuen Zuhause gemütlich gemacht. Aber demütig?

Möglicherweise aber gibt es Hoffnung für mich. Auch die Kleidermacher haben nämlich erkannt: „in der Modebranche muss Demut der erste Schritt sein.“ Bald kommt der Understatement-Look noch
mehr in Mode, als er es schon ist. Demut wird künftig noch schicker.

Auch die Wirtschaft schließt sich diesem Trend an. Demut gilt als das wichtigste Instrument der Mitarbeiterführung. Leider kommt das noch selten bei den Mitarbeitenden an.

Dienend führen. Auch in der Politik hat man den Superstar unter den Tugenden als förderlich erkannt. „Ich nehme die Verantwortung mit großer Demut an.“

Kurzum: Schick will man schon sein, es aber auch nicht zu deutlich zeigen. Darum ist die Demut eine tolle Sache. Ich schließe
mich an und werde künftig natürlich weniger auffällige Klamotten tragen.

Letztens hatte ich Gelegenheit, mit der Demut ein Wort zu wechseln. Ich war überrascht. „Alle mögen mich, aber keiner will mich.“ „Alle kennen mich, doch keiner versteht mich.“ „Alle wollen schwach sein, aber keiner seine Schwächen zeigen.“

Im Grunde wirkte die Demut recht einsam,
obgleich ein jeder mit ihr den Flirt suchte. Sie fühlte sich missverstanden.

„Auf mich aber kannst du zählen,“ sagte ich. „OK. Der Nächste bitte.“

Tja.

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