Geduld! Mit der Bitte um rasche Erledigung

Neulich betete ich um Geduld. Es war, offen gestanden, ein kurzes Gebet. Denn ich hatte wenig Zeit. Aber sicher sind im Himmel die kurzen Gebete nicht unwillkommen. Auch Gott hat
bekanntlich viel zu tun.

Ich habe mich dann aber gefragt, ob Gott eigentlich immer die Geduld aufzubringen vermag, sich all die Sorgen und Probleme anzuhören. Auch er hört sicher viel lieber hier und da mal ein Kompliment oder ein schlichtes Dankeschön. Kommt aber wohl nicht zu häufig vor.

Jedenfalls durfte ich bei seinem vollen Terminkalender schwerlich erwarten, dass meine Bitte zeitnah erledigt würde. Obgleich sie natürlich dringlich war, ohne Frage. Geduld braucht man in der Regel unverzüglich.

Dennoch wurde ich langsam ungeduldig, als nach zwei oder drei Tagen immer noch nichts passiert war, was ich als Ergebnis meiner Bitte hätte betrachten dürfen. Die Bitte um Geduld wuchs sich zur regelrechten Geduldsprobe aus.

Nun, es heißt ja, man könne eine Wartezeit dadurch verkürzen, dass man nicht untätig bleibt, sondern die Lücke sinnvoll füllt. Also wurde ich aktiv und dachte nach.
Hatte Gott möglicherweise ein Lächeln auf dem Gesicht, als er meinen Wunsch vernahm? Weder ging es mir um den Weltfrieden noch um die Abwendung des Untergangs der Kirche. Keine brennenden Fragen also, die ich thematisierte.

Runzelte Gott gar die Stirn ob
mancher Belanglosigkeiten, mit denen er täglich überhäuft wird? Natürlich war ich der Meinung gewesen, dass ein paar Euro mehr auf meinem Geduldskonto für die Welt hilfreich wären. Aber wer würde es, von wenigen Personen abgesehen, überhaupt mitbekommen, wenn ich geduldiger wäre?

Vielleicht würde ich manchen Kolumnen mehr Zeit zu reifen geben, weniger Selfies posten und auch nicht zu oft in die Verkaufsstatistik meines Buches schauen. Aber was würde sich sonst noch ändern, wenn ich 100 Gramm mehr Geduld hätte?

Besteht die Geduld vielleicht eher im Aushalten der Ungeduld, im Lächeln mitten im Stau oder darin, im Wartezimmer ein Buch zu lesen? Besteht die Geduld im Eingeständnis, dass auch
morgen ein Tag für gute Ideen ist?

Übrigens hatte ich mir für dieses Jahr gedacht, im Urlaub das Große Hasenohr zu besteigen, einen Gipfel von etwa 3200 Meter in Südtirol. Aber als ich dieses aber aus der Nähe betrachtete, wurde mir klar, dass es seinerseits noch etwas Geduld mit mir bräuchte. Recht hoch sah es aus,
und dazu noch mit Schnee überzuckert.

Und als ich so meinen Gedanken nachhing, bemerkte ich, dass ich im Grunde an diesem Tag noch nichts sinnvolles getan hatte, außer zu frühstücken und im Schatten zu sitzen. Ach, möge Gott Geduld mit mir haben.

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