Mit passender Weinbekleidung

So könnte er aussehen. Pinot Noir auf den Höhen des Pöhlbergs

Sage noch mal einer, die Autokorrektur des Smartphones wäre doof. Das stimmt zwar, ist aber dennoch unhöflich. Manchmal hat sie auch ganz kluge Gedanken.

Letztens war ich mit meinem lieben Schatz in einem schicken französischen Restaurant. Es gab ein Menü von sechs oder sieben Gängen, jeweils mit passender Weinbegleitung. Wäre ja auch schade, wenn sich die leckeren Speisen einsam fühlen müssten.

Empfohlen hatte uns das Restaurant kein Geringerer als unser ältester Sohn. Und so schrieb ich ihm zu Beginn des Defiliers einen kleinen Dankesgruß. „Schön ist es hier, und wir haben natürlich die passende Weinbegleitung genommen.“ Da nun freilich die Autokorrektur stets die
Klügere ist, verwandelte sie flugs die Konsonanten und machte aus der Weinbegleitung eine Weinbekleidung.

Zu den Grundregeln der Kommunikation via Social Media gehört es, die Botschaften vor dem Versenden nicht noch einmal durchzulesen. Auf diese Weise habe ich schon allerliebste Missverständnisse geteilt. Und so war sie also in der Welt. Die passende Weinbekleidung.

Nach einem ersten Stirnrunzeln hieß ich sie dann auch sehr gern willkommen. Denn ich machte mir schon früher gern einen Spaß daraus, über die passende stoffliche Begleitung für einen Traminer, Grauburgunder oder Portugieser zu fabulieren. Zum Chablis trägt man apircotfarbene Socken. Das ist bekannt. Der Tannat gesellt sich recht gern zur Lederjacke. Die Jeans lässt sich vorzugsweise in Begleitung eines sonnengereiften Syrah blicken. Darüber habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.

Waren das allerdings zunächst Momentaufnahmen, aus der Laune des Augenblicks heraus, so erhob meine Autokorrektur das Ganze nun in den Rang des Programmatischen. Künftig wird es
kaum noch Weinverkostungen ohne Bekleidungstipps geben. Die Sommeliers arbeiten längst an Ratgebern für die passende Kreuzung von Rebe und Robe. Die Modehäuser schulen ihre Mitarbeiter im Weinbau. Auch ich – genau genommen war es mein lieber Schatz, denn mein
persönliches Weinbau-Diplom wurde noch nicht freigegeben – habe die Annaberger Rebe in die mineralische Erde des Gebirges eingebracht. Frostbeständig. Solider Schick. Gartentraube Polo Muskat.

In diesem Jahr verweigerte sie allerdings noch ihre Frucht, aber sicher kann ich im nächsten Jahr die Trendmode mit hilfreichen Tipps zur Weinbekleidung unterstützen. Ich vermute, die erzgebirgische Tracht wird sich durch die Kreuzung mit der Polo Muskat-Rebe
noch einmal grundlegend wandeln.

Das Arschleder wird den tiefdunklen Lagrein nicht mehr missen wollen. Die Bergmannsjacke wird sich mit dem Grünen Veltliner befreunden. Und das
Basecap gesellt sich künftig öfter zu einem mineralischen Riesling. Nur die Annaberger Shorts, die in der Region bis tief in den November hinein getragen werden, suchen noch ihre passende
Begleitung.

Wer also künftig in die Hutzenstube geladen wird, erfrage sicherheitshalber zuvor, welche Rebe kredenzt werden soll. Nichts ist peinlicher als zum Goldriesling im Schlabberlook zu erscheinen. Aber Letzteren gibt es ohnehin im Erzgebirge kaum.

Auf der sicheren Seite ist man in der Regel
mit einem neutralen Hoodie, idealerweise mit gekreuzten Hämmern. Der passt zum
Grauburgunder ebenso wie zum „Roten Schuh“, den sie neuestens in Meißen kredenzen. Und wenn es ein Merlot sein sollte, dann einfach die Gruben-Sneakers dazu kombinieren.

Im Grunde ein Kinderspiel. Haamit trifft Huxelrebe. Guter Tropfen im köstlichen Gewand.

2 Antworten zu „Mit passender Weinbekleidung”.

  1. Ja die Autokorrektur ist schon eine kreative Ergänzung in der Kommunikation: Ich bat vor einiger Zeit meine Tochter via Social Media aus dem Supermarkt noch Blattspinat mitzubringen. Der Autokorrektur was diese Zutat nicht recht – sie wandelte das Rezept ab und bestellte „Blattprimat“ … Für die vegetarische Küche nicht geeignet und in den Supermärken nicht zu bekommen!

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    1. Auch ein sehr schönes Beispiel 👌

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