Von unterwegs für unterwegs

Ein erster Entwurf für ein spezielles „Pilgerbuch“: Laufstege und Holzwege

Foto: Autor

City-Jogging in High-Heels, Stoneman Miriquidi, zu Fuß über die Alpen, Berlin-Marathon oder Oldtimer-Ralley im Erzgebirge. Eine kleine Auswahl aus vielerlei Möglichkeiten.

Menschen sind unterwegs, solange sie existieren. Und wenn sie einmal nicht unterwegs sind, sind sie es doch. In den sozialen Medien etwa oder beim Surfen mit der Fernbedienung auf der Couch.

Der Mensch ist ein Wanderer, und das nicht nur per pedes. Er läuft, tingelt, streunt, flaniert, rennt, eilt, tuckert, braust und spaziert. Durch die Welt und durch das Leben. Wohin du des Weges bist, weiß ich nicht, aber ich will dir ein paar Gedanken in das Proviantbeutelchen packen. Von unterwegs für unterwegs. Eine Art Pilgerbuch sei dieses Büchlein, obgleich ich selbst noch nie gepilgert bin.

Eines der ungewöhnlichsten Wanderbücher ist vermutlich die „Theorie des Gehens“ von Honore de Balzac. Ausgehend von der Beobachtung diverser Spaziergänger auf Pariser Brücken und anderen Flaniermeilen entwirft der Autor eine Typologie der Gangarten und erklärt auf diese Weise die Welt. Ein verblüffender Gedanke. In der Art des Gehens würde sich somit das Begängnis der Menschheit erklären lassen. Wie geht es, lieber Karl? So überschrieb Sébastien Jondeau seine Erinnerungen an Karl Lagerfeld, sicher nicht ohne Hintergedanken an das elegante Stolzieren entlang des Catwalks der Modesalons. Wie’s geht gibt Auskunft darüber, wer und was läuft.  Und auch der religiösen DNA ist das Wandern durchaus eigen.  In der Bibel heißt es „Mein Vater war ein umherirrender Aramäer“. Mancher spricht gar von der Kirche als dem wandernden Gottesvolk. Komisch nur, dass sie manchmal so unbeweglich scheint.

Der eine wandert durch die Bücher, die andere wiederum von Ort und Ort, nicht ohne einen schweren Rucksack. Der dritte wandert von Erkenntnis zu Erkenntnis und die vierte schließlich von Anfang bis Ende.

Beim Wandern durch die Bücher in andere Welten entführt. Foto: Manja Kraus

„Da fing ein Wandern an.“ So hieß es in dem Weihnachtsspiel, dass unsere Kinder jährlich im Kindergarten aufführten. Und so nahmen Maria und Josef ihren Weg nach Bethlehem. Genau genommen fing das Wandern freilich schon mit Adam und Eva an, spätestens in dem Moment, da sie dem Paradies den Rücken kehren mussten.

Im Netz las ich von einer Frau, die beinahe 50000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt hat. Eine Journalistin schrieb dazu: Sie erobert die Welt, und zwar Schritt für Schritt.

Ein jeder hat seinen Weg zu gehen. Manche sind darunter, die man niemals selbst gewählt hätte. Einmal sagte Jesus zu Petrus: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

Herbert Grönemeyer kleidete die Trauer um seine verstorbene Frau seinerzeit in ein Wanderpoem mit dem Titel „Der Weg“. Die letzten Zeilen lauten: „Ich gehe nicht weg. Hab‘ meine Frist verlängert. Neue Zeitreise. Offene Welt. Habe dich sicher in meiner Seele. Ich trag‘ dich bei mir. Bis der Vorhang fällt.“

Wohl dem, der mit gutem Schuh besohlt ist und immer wieder Brücken findet. Wohl dem der sich freuen kann an den Bildern rechts und links des Weges. Wohl dem, der Ziele hat, obgleich er sicher ahnt, nicht alle zu erreichen.

Wanderschuhwerk 2.0 😀 Foto: Cornelia Normann

Auf einer Wanderung traf ich einmal einen Wegewart, der mit Stolz erzählte, wie er die ihm anvertrauten Wege regelmäßig begeht, die Ausschilderung prüft und eventuelle Hindernisse für die Wandersleute aus dem Weg räumt. Mir scheint das auch ein Bild für Gott zu sein, der gleichsam als Wegewart meiner Lebensetappen fungiert. Unter seinem Schirmen bin ich vor dem Stürmen aller Feinde frei. (nach Johann Franck).

Manche sagen: Es geht seinen Gang. Buen camino spricht der Pilger. Einen geschmeidigen Gang auf dem Catwalk wünschen die Musen hinter dem Steg. Trittsicherheit erhofft der Bergwanderer, insbesondere auf den schwarzen Wegen. Ein altes biblisches Gebet formuliert: Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

So sei es: Wechselnde Pfade, Schatten und Licht. Alles ist Gnade. Fürchte dich nicht.

Foto: Autor

 

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