„Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit.“ Die Bibel. Paulus an Titus, Kap. 3,4-5

Ihr Lieben! Das ist also Weihnachten Und was hast du gemacht? Wieder ein Jahr vorbei. Ein neues Jahr hat gerade begonnen Das ist also Weihnachten Ich hoffe du hast Spaß. Der Nahe und der Liebe, der Alte und der junge. Ein sehr frohes Weihnachten und ein glückliches neues Jahr. Hoffen wir, dass es ein gutes wird. Ohne Angst.
Bekannter sind diese Zeilen in Englisch: „So this is Christmas and what have you done? Another year over and a new one just begun. And so this is Christmas. I hope you have fun. The near and the dear one. The old and the young. A very Merry Christmas and a happy new year. Let’s hope it’s a good one. Without any fear.“
John Lennon und Yoko Ono. 1971 im Advent ist das Lied erschienen. Begleitet wurden die beiden von einem Kinderchor der Kirchengemeinde Harlem in New York. Der Kinderchor singt: Zuende ist der Krieg. Wenn du es willst. Das Lied war ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg.
Zugleich war es wohl auch ein Protestsong gegen die Anfeindungen und Probleme, die John und Yoko in der zurückliegenden Zeit erlebt hatten. 1970 waren die Beatles auseinandergegangen, und nicht wenige waren der Meinung,
Yoko Ono, die neue Frau an der Seite von John Lennon, sei dafür verantwortlich. Und paradoxer Weise rief am gleichen Tag, an dem das Lied Happy Christmas entstand, der ehemalige Bandkollege George Harrison bei John Lennon an, um ihn zur Mitwirkung an einem Benefizkonzert einzuladen. Yoko aber wollte er nicht dabei haben.
Zugleich war das Lied auch Auslöser eines Rechtsstreits, denn
Lennons Musikverlag wollte nicht, dass Yoko Ono als Mitautorin genannt würde. Bisher hatte immer Lennon / McCartney unter den Liedern gestanden.
So happy Christmas. Diese Worte stehen für Hoffnung und
Enttäuschung gleichermaßen. Denn so happy ist das Christfest nicht immer. Es ist die Sehnsucht nach einem ganz anderen Leben, mit der wir jährlich auf dieses Fest zugehen. Und nicht selten ist es die Enttäuschung, mit der wir uns davon wieder verabschieden. Weihnachten zeigt uns eben auch unsere Grenzen auf.
Happy Christmas. Es ist interessant, dass einer wie John Lennon überhaupt ein Weihnachtslied geschrieben hat, denn ein großer Freund des Glaubens war er nicht gerade. „I don’t believe in Jesus. – I just believe in me“ und „imagine there is no heaven … and no religion, too“. Er war eher ein Zyniker, wenn auch ein hoffnungsvoller. Einer, der an der Welt gelitten hat, obwohl er sie verbessern wollte, einer der für den Frieden sang, und zugleich immer wieder aneckte. Eine zerrissene Existenz, oder wie jemand mal über ihn schrieb: „ein verletzlicher Mensch, oft widersprüchlich, oft böse, oft aber auch liebevoll, in manchen Fällen geradezu berührend sensibel. Ein Mensch voller Humor, mit scharfem Intellekt, aber auch erschreckend naiv und unbedacht.“
Viele haben in John Lennon eher den Gotteslästerer gesehen.
Sie waren erbost, als er sagte: die Beatles sind heute populärer als Jesus. Und tatsächlich: er hat sich immer wieder im Ton vergriffen, obgleich er ein Meister der Töne war. Er war ein bisschen größenwahnsinnig, wie viele Visionäre es sind. Nicht das, was wir einen frommen Menschen nennen mögen.
Und dennoch möchte ich auch ihm einen Platz auf meiner Weihnachtspyramide geben. Ich fühle mich dazu angeregt durch die alten Worte von Paulus aus seinem Brief an Titus: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen.“
Mag er also heute mitlaufen unter den Hirten, die sich um Maria und Josef und das Kind drehen. Ein schräges Bild, gewiss. Da ist der Ben und der Jonathan und der Simeon, oder wie die Hirten in den vielen Krippenspielen heißen. Und dann ist da noch der John. Der bei seiner Tante Mimi aufwuchs, weil Mutter und Vater auch irgendwie verkrachte Existenzen waren. Der sich nach Liebe sehnte: all you need is love, und der über seine Eltern sang:
„Mother, you had me; But I never had you; I wanted you But you didn’t want me. Father, you left me, But I never left you, I needed you But you didn’t need me.“
Von den Kerzen angetrieben läuft er mit den Hirten um die Krippe. Denn auch ihn treibt die Sehnsucht nach einem anderen Leben, nach Frieden, nach Erfüllung, nach Liebe. Und gut, wir lassen auch Yoko mit auf die Pyramide, obgleich Johns Lieder in der Zeit vor Yoko tatsächlich besser waren. John und Yoko auf der Weihnachtspyramide. Für mich ist das ein Bild für die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, die auch den Spöttern und Zweiflern zukommt. Es erinnert mich daran, dass Weihnachten nichts ist, was man sich verdienen kann. Dass Gott unter uns erscheint, können wir weder erzwingen noch verhindern. Und genau darum wird es auch bei mir jedes Jahr Weihnachten, obwohl ich jedes Jahr – mal früher, mal später – an den Punkt komme, wo so eine Art Weihnachtsmelancholie ausbricht. Mir bereitet es geradezu Schmerzen, wenn ich an die unerfüllten Pläne denke, an die Zusagen, die ich gegeben und nicht eingehalten habe, an die Vorhaben vom Jahresbeginn, wie vieles irgendwie besser werden sollte. Aber in diesen wenigen Tagen bis zum Ende des Jahres werde ich es nicht mehr reißen.
Und so mag der John auch für mich singen, wenn er auf der
Weihnachtspyramide mitläuft: So this is Christmas And what
have you done Another year over. – Das ist also Weihnachten
Und was hast du gemacht? Wieder ein Jahr vorbei.
Gemeinsam mit John fällt mein Blick auf die lächelnden
Augen des Kindes in der Krippe. Christmas actually – Tatsächlich, Weihnachten. Heute ist dir erschienen die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes.


Hinterlasse einen Kommentar