Studie zur Produktivität des Nichtstuns

Das war sie also. Meine siebentägige Studie über die Produktivität des Nichtstuns

Klaus-Maria Brandauer soll einst das Menschenrecht auf Langeweile eingefordert haben. Denn nur so könne Raum für die Entfaltung kreativer Gedanken entstehen. Sicher fand er mit seinem Antrag nicht allzu viele Befürworter, gilt es doch allgemein als unschicklich, den Müßiggang zu loben.

Nun, ich habe mich einmal, natürlich nur interessehalber, als Testperson zur Verfügung gestellt. Eine Woche nichts Nützliches getan, außer Spazieren, Saunieren, Sinnieren und Dinieren sowie weiteren Spielarten des Faulenzierens.

Ein bisschen war ich dann doch überrascht, wie viel unnützes Wissen sich doch in solchen Tagen intensiven Nichtstuns aufsammeln lässt. Man könnte den Vorgang des Müßiggehens schon fast wieder als produktiv bezeichnen. Wer hätte beispielsweise gedacht, wie viele höchst unterschiedliche Formen des Aufgießens die Welt des Saunierens bereithalten kann. Da findet sich neben dem handtuchschwingenden Bolerotänzer oder dem Schaufelradwedler auch Mister Slowfox, der den Schwitzenden die Luft langsam und gemächlich in individuellen Portionen darreicht und selbst das Zusammenlegen seines Wedeltuchs zur Zeremonie erhebt. Und dann gibt es noch Viktor, den spaßigen Hallorufer, der immer nach der ersten Aufgussrunde den gleichen Witz macht, oder Lucy, die sich selbstironisch als Hexe präsentiert und mit zwei Fächern wedelt. Möglicherweise gebietet sie damit über die fliegende Affen. Allesamt tun sie das Gleiche. Sie produzieren heiße Luft, aber sie tun das in höchst individueller und je verschieden kunstfertiger Weise, sodass man glauben möchte, es gäbe eine Zukunft für ein Miteinander in Vielfalt und Kreativität.

In den Pausen von einem Aufguss zum nächsten ergossen sich Themen von höchstmöglicher Bedeutungslosigkeit in mein schickes Notizbüchlein, und es entstanden etwa viereinhalb Kolumnen sowie weitere Fragmente zu diesem und jenen. Texte über das Spazieren, die Holzwege, die Wandelbarkeit, den Müßiggang oder die derzeit trendigsten Outfits der Demut.

Gelegentlich flanierte ich mit der lieben Gemahlin durch die vogtländischen Wälder, freilich niemals zu lange, auf dass die Unternehmung nicht unversehens zur Wanderung ausartete. Wir genossen leckere Speisen, studierten Weinkarten oder fröhnten anderer unterhaltsamer Lektüre.

Alles in allem war wenig brauchbares darunter. Glücklicherweise gelang es recht gut, den Anschein produktiver Nützlichkeit hier und da zu erwecken, beispielsweise durch bedächtige Kritzelei in das Notizbuch oder den Gestus ernsthaft nachdenklicher Lektüre. Das bisschen Schwitzen ringsherum hätte man beinahe für eine angenehme Begleiterscheinung des intellektuellen Diskurses halten können.

So war das Nichtstun insgesamt recht erfolgreich, freilich hatte es natürlich seine Längen. Aber da es ja ohnehin nur zu Forschungszwecken unternommen wurde, mag das entschuldbar sein. Keiner soll schließlich annehmen, ich würde allen Ernstes faulenzieren und das auch noch in der Öffentlichkeit.

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