
Vom Mulm bist du genommen. Zum Mulm sollst du dich kehren.
Der Mulm ist das Sediment am Boden von Aquarien, Teichen oder anderen Gewässern.
Der Mulm entsteht aus Abgestorbenem, aus Futterresten oder Ausscheidungen.
Der Mulm kann ein guter Ort sein für Bakterien, ein Nährstofflieferant, ein Wandlungsort.
Wenn es schlecht läuft, bei Sauerstoffmangel etwa, kann der Mulm freilich auch in Faulschlamm übergehen. Auch kann er in ästhetischer Hinsicht zum Problem werden und einfach unschön aussehen.
Der Mulm ist ferner im Wald zu finden. Beispielsweise als verfaultes, zu Pulver gewordenes Holz. Als Erde, die durch Zerfall organischer Substanzen entsteht. Zerbröseltes Holz, in welchem unter anderem verschiedene Käferarten ihr Zuhause haben. Auch hier steht der Mulm inmitten des Prozesses von Vergehen und Werden. Er ist gleichsam das typische Zubehör verlassener Orte, in denen bereits das Potenzial für Neues schlummert.
Mir scheint, der Mulm ist schließlich auch als Ablage unzähliger Papiere und anderer Dinge in meinem Arbeitszimmer zu finden. Es ist schwer zu entscheiden, was ich davon noch brauche. Denn eine Sortierung oder gar Katalogisierung fehlt bislang. Bei der Betrachtung des selbigen wird mir durchaus mulmig. Wann werde ich Ordnung in die zerbröselnden Ablagerungen meines alltäglichen Schaffens bringen? Wird der Mulm zum Lebensraum künftiger Kreativität? Oder wird er zum Faulschlamm erstarren? Unschön wirkt er auf jeden Fall.
Das Wort ist, wie man hört, bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Verwandt ist es mit mahlen, mulchen oder malmen.
Es heißt, dass Mose einst betete: Bis zum Mulm lässt den Menschen du kehren, und du sprichst: kehrt zurück, Adamskinder! Offensichtlich ist das irdische Dasein In der Fülle seiner Aspekte auch an den Mulm gewiesen.

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