
Es gibt richtig schlaue Leute, die wissen, wie Instagram funktioniert. Die kennen sich mit dem Algorithmus aus, wissen, wann man am besten etwas postet, und warum. Die kennen alle Likes und Kniffe.
Ich nicht.
Seit 2019 bin ich dabei. Zunächst unter dem Namen @Schnuersenkelkolumne, jetzt @einfach.james, beziehungsweise – für die Hobby Schriftsteller – @Thomas_und_der_Stift. Möglicherweise ist man nach sechs Jahren ein Insta-Urgestein. Aber Ahnung habe ich immer noch keine. Ich poste und poste, doch es wird nicht hell. Ich füttere den Feed, aber ohne Konzept. Ab und an habe ich eine Idee. Dann probiere ich sie möglichst unverzüglich aus. Meine Erfahrung dabei ist, dass die Resonanz meist völlig gegenläufig zu meiner Erwartung ist. Die Ideen, welche mir selbst gefallen, finden wenig Anklang. Die eher erfolgreichen Posts – wer auch immer das überhaupt festlegen kann –sind jene, von denen ich es nicht erwartet hätte.
Verkehrte Welt. Aber natürlich weiß ich Genaueres nicht. Es bleibt mir unbekannt, was die Nutzerinnen oder Nutzer, die nicht interagieren, davon halten oder denken. Es ist ihr Geheimnis, und das natürlich zu Recht. Möglicherweise geraten Sie in Ekstase, zucken mit den Schultern, schütteln den Kopf oder entfernen mich als Follower. Wer weiß.
Wie machen das die klugen – und vor allem schicken – Menschen, die mehr als 10.000 Follower haben? Es bleibt mir ein Rätsel, ich kenne mich mit der künstlerischen Intelligenz nicht so gut aus.
Ich poste Selfies, manchmal. Im nächsten Moment habe ich das Gefühl, es sei übertrieben. Ich generiere Hashtags, denen ausschließlich ich folge. Ich nehme Auszeiten, um irgendwo die verborgene Kreativität zu entdecken. Und dann mache ich weiter, wie vorher. Aber das viel entschlossener. Gelegentlich versuche ich, witzig zu sein, denn ich hörte, das sei interessant. Nun, ja.
Vielleicht sollte ich noch das Wörtchen „official“ in meinen Insta-Namen aufnehmen, wie etwa der liebe Samuel Rösch. Aber das produziert dann möglicherweise Missverständnisse, @official.james ist vermutlich nicht sehr vielsagend.
In meinem Theologiestudium kam der oder die Instagram-Kunde leider auch nicht vor. Das war eben im vorigen Jahrhundert.
Ihr seht, ich bin Insta-unkundig. Mein Selbstversuch währt etwa 70 Monate, bald werden es 80 sein. Möglicherweise ändern die aber auch wöchentlich ihre Regeln, sodass man kaum hinterherkommt im Rhythmus der Algorithmen.
Ich könnte natürlich auch einfach aufhören, aber ich habe noch nicht die passende Idee, um den Abgang instagerecht anzukündigen. Und ohne Show geht es dann wohl doch nicht. So bleibe ich eben noch ein bisschen.
Und vielleicht, ja vielleicht will ich’s ja gar nicht wirklich wissen, wie Instagram funktioniert, denn dann wäre es nur eines dieser weiteren durchgestylten Dinge in unserem Alltag. Die freilich bei genaueren Hinsehen auch ihre Macken und Problemstellen haben. Möglicherweise ist es meine Berufung, gerade zur unpassenden Zeit das unperfekte Bild vorzuhalten, und dazu noch eine viel zu lange Zusatzinformation. Man nennt sie wohl auch Caption.
Wenn die Caption zu lang, das Bild zu dunkel und die Reichweite zu kurz ist, dann war’s eben @einfach.james. Vielleicht will ich einfach nur Mensch sein, mit Humor und Gottvertrauen meine Straße ziehen, mir meine Gedanken über das Leben machen und am Ende wissen, wie wenig ich begreife.
Wer weiß? Und heute habe ich mir eben mal das Thema Hüte vorgenommen. Seid auf der selbigen. Und jetzt bitte nicht liken. Das wäre übertrieben.

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