Zum morgigen Ewigkeitssonntag grüsse ich mit ein paar Gedanken zum Abschiednehmen aus meinem Buch „Laufstege und Holzwege“

Wie wird es sein, wenn ich das letzte Hemd anziehen und manches andere dafür auf immer ablegen werde? Ehrlich gesagt, ich hoffe, dass sich derlei Umzüge noch etwas hinauszögern lassen. Aber man weiß ja nie.
Das irdische Leben hat Grenzen, und es ist – entgegen der verbreiteten Meinung – weise, sich damit auseinander zu setzen. Bereits in einem früheren Text habe ich die Frage gestellt, was leichter sei, an- oder ausziehen. Beides hat seine Reize. Damals entschied ich mich dafür, im Zweifelsfall dem Anziehen den Vorzug zu geben.
Nun aber stellt sich die Frage: Welchen Anzug möchte ich zuletzt anlegen? Wie soll er erfolgen, mein Heimgang? Auf jeden Fall nicht allzu traurig. Und da hätte ich gleich eine Bitte. Sollten Amtsschwestern oder -brüder zu meinem Begräbnis erscheinen wollen, lasst den knöchellangen Schwarzen gern zuhaus. Betet für mich, und mehr noch für meine liebe Familie, singt Lieder von Glauben und Zuversicht, aber kehrt das Amt nicht heraus. Das habe ich nie gemocht.
Ich durfte in meinem Leben viel Wunderbares erleben. Das gilt, auch wenn das Ende vielleicht traurig sein mag. Überdies habe ich den Glauben, dass Gott mich auch nach dem Sterben nicht vergessen wird und ich hoffentlich im Himmel mit ihm über seine Schuhe und seinen Mantel sprechen darf, mit denen er in St. Annen zu Annaberg-Buchholz abgebildet ist. Freilich wird das nicht das Wichtigste sein, das wir zu reden haben werden.
Wenn ich morgen Abschied nehmen müsste, dürfte ich nicht undankbar sein. Vielmehr suche ich jeden neuen Tag als Zugabe zu betrachten, zu dem, was Gott alles schon an Wunderbarem schenkte. Zwar habe ich, wenn ich’s recht bedenke, noch keinen Baum gepflanzt, aber vier Kinder durfte ich mit meiner lieben Frau beim Wachsen beobachten, zwei Bücher durfte ich schreiben (bislang) und mit meiner treuen Wandergefährtin von Sachsen nach Italien laufen.
Schöne Aussichten durfte ich schon manche genießen. Und so hoffe ich, diese eine letzte hoffentlich dauerhaft von ganz oben bestaunen zu können. Die Höhenangst wird dann keine Rolle mehr spielen. Das Leben wird vom Ende her verstanden. Aber vielleicht auch nicht alles. Das mag dann offenbleiben.
Was also wären meine Wünsche für ein stilvolles Begräbnis?
Nun, mir wäre ein Schattenplatz recht. In welcher Stadt oder welchem Dorf sich dieser befinden soll, vermag ich schwer zu sagen. Heimat habe ich immer dort gehabt, wo ich gerade lebte. Haltet neben mir einen Platz für meine Liebste frei. Dabei wäre es schön, wenn sie Sonne hätte und ich Schatten. So haben wir es meist beim Rasten gehalten, wenn wir durch die Welt wanderten.
Gern möchte ich in der Erde begraben werden und zu diesem Anlass ein schickes weißes Hemd tragen. Gern mit Manschettenknöpfen, aber bitte ohne Fliege. Die ganze schöne Sammlung von Querbindern soll oben bleiben. Vielleicht verteilt ihr die Fliegen unter die Trauergäste, aber nur, wenn sie diese auch mindestens einmal tragen. Ich versuche mal, noch eine Anleitung beizufügen, wie ihr die Schleife binden könnt. Denn eine selbstgebundene ist allem anderen vorzuziehen. Oder ihr behaltet die Sammlung beieinander und übergebt sie einem gewissenhaften Hüter. Für’s Grab wären die Fliegen und Krawatten auf jeden Fall nicht passend, sie sind für die Erde gemacht und sollen dort verbleiben. Der Herrgott wird mich auch ohne Querbinder schnell erkennen: Aha, der Modesünder.
Als Lied wünsche ich mir das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ von Paul Gerhardt, in dem es heißt: „Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit. Die zieh ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit.“ Nehmt gern die Strophen 1,4 und 9. Weiterhin wäre ein Lied aus der früher so genannten „Kaulmappe“ schön, dem Liederbuch meiner Jugendzeit. Vielleicht nehmt ihr „Geh, Abraham, geh!“ – dann muss ich sicher etwas schmunzeln, wenn ich’s höre.
Ein großer Chorsänger war ich nie, darum bitte keine großen und schweren Werke. Was ich gern mitgesungen habe, war der vierstimmige Chor „Der Morgenstern ist aufgedrungen“ von Michael Praetorius. Wenn ihr also wollt, dann nehmt dieses. Zum Trauercafé könnt ihr gern auch ein Gläschen Wein nehmen, das wäre in meinem Sinn, ein Riesling etwa. Und wenn dann noch jemand „Knocking on heavens door“ singt, wäre das ein echt cooles Begräbnis. Aber es muss gar nicht unbedingt cool sein, bin ich ja auch nicht gewesen. Sagen wir, wenn es Raum gibt für das, was ihr in diesem Moment empfindet, dann ist es gut.

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