Mit herzlichen Grüßen zum ersten Advent

„Ah nei Gahr.“ (Ein gutes neues Jahr!) Habe ich mich jetzt vertan? Silvester ist noch einen ganzen Monat entfernt, und erst einmal wollen wir ja die Weihnachtsmärkte aufsuchen, möglichst alle
Geschenke besorgen und ein fröhliches Weihnachtsfest feiern.
Natürlich ist der Neujahrswunsch zu Beginn der Adventszeit unüblich und verfrüht. Und so heiße ich Euch hiermit erst einmal sehr herzlich in der Adventszeit willkommen. Ich wünsche Euch viel Licht und hoffentlich ein paar besinnliche Stunden mit lieben Menschen. Ich wünsche Euch gute Gedanken und Impulse in dieser Zeit der Erwartung und Vorfreude.
Aber ganz falsch ist er trotzdem nicht, dieser Neujahrswunsch. Mit der Adventszeit beginnt – einen Monat vor Beginn des neuen Kalenderjahres – das neue Kirchenjahr, und es geht 2026 im November mit dem Ewigkeitssonntag zu Ende. Auch wenn wir das nicht unbedingt als einen Jahresbeginn zelebrieren, liegt darin vielleicht trotzdem eine sehr schöne und wichtige Symbolik.
Wir Menschen sind üblicherweise Planer und Macher. Je früher wir eine uns gestellte Aufgabe anpacken, desto besser. Allerdings geraten wir damit nicht selten in eine Spirale der Betriebsamkeit, die uns gefangen nimmt und uns nicht mehr ruhig schlafen lässt.
Erst recht wird es dann problematisch, wenn wir gerade nicht die Kraft haben, das zu leisten, was uns eigentlich nötig scheint, zum Beispiel durch Krankheit oder ungeahnte Hindernisse, die unsere Planungen durchkreuzen.
Wie wäre es aber, wenn wir alles Planen und Arbeiten erst einmal mit einer Zeit des Innehaltens und Auf-Gott-Hörens beginnen? Es klingt vielleicht komisch. Aber manchmal ist es tatsächlich gut und wichtig, vor der Arbeit eine Pause zu machen. Ich meine das in dem Sinne, dass man zum Beispiel vor der Erledigung einer wichtigen aber schwierigen Aufgabe die Hände faltet und Gott um Segen und Gelingen bittet. Oder dass
man eben am Anfang einer stressigen Woche nicht einfach losrennt, sondern sich erst einmal bewusst macht, worauf man sich freut und wen man vielleicht noch als Weggefährten und Unterstützer gewinnen könnte.
Sehr häufig bin ich im Betriebsmodus, aber nicht so häufig im Besinnungsmodus. Advent ist eine Zeit geduldiger Erwartung (sollte es jedenfalls sein). Vor einiger Zeit wurde mir das an einem Vergleich deutlich. Ich fragte mich nämlich, warum in der Bergmännischen Krippe in der Annaberger Bergkirche auch ein Bauer zu finden ist. Denn Säen, Ernten, Pflügen, Hacken, Jäten – all diese Dinge spielen ja in der Adventszeit kaum eine Rolle. Hat der Bauer also frei?
Weit gefehlt. Vielerlei nach- oder vorbereitende Aufgaben liegen an. Maschinen werden repariert, wo nötig. Liegengebliebene Büroaufgaben werden erledigt. Die Tiere, die da sind, müssen natürlich sowieso versorgt werden. Ich bin kein Experte, aber ich nehme an, dass auch manche vorbereitenden Aufgaben zu erledigen sind. Das trifft zum Beispiel zu, wenn man über Forstflächen verfügt. Im Winter wird der Wald zukunftsfähig
gemacht, wie ich lesen konnte. Er wird auf seinen Entwicklungsbedarf hin durchforstet.
Weiterhin las ich von der Anbau- und Düngeplanung, die über den Winter erfolgt und eine Richtung für die Bewirtschaftung der Felder in den nächsten Jahren vorgibt.
Im Kalender der gottesdienstlichen Lesungen spielt der Bauer interessanterweise am 2. Advent eine wichtige Rolle. Im Brief des Jakobus heißt es: „Der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und
Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“
Wenn die Felder also nicht gerade zugeschneit sind, können sie in ihrer winterlichen Kargheit ein Beispiel für die manchmal so schwer zu gewinnende Geduld sein. Manche Pläne dauern in ihrer Umsetzung viel länger als gedacht. Leider. Manchmal ist das freilich auch gut, denn in der Phase des Vorbereitens und Wartens kommen manchmal noch ganz neue Gedanken auf, die den Plan verbessern können, aber nicht zum Zuge kommen würden, wäre das Vorhaben zu rasch umgesetzt.
Manchmal aber ist die Geduld einfach nur mühsam, kräfte- und nervenzehrend. Wohl dem, der trotzdem immer wieder nach ihr sucht. In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Adventszeit.

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