Freude, Freude

„Auf dem Weg der Freude, Tag 24“

 Ihr Lieben, mit der „Heiligen Familie“ aus der Bergmännischen Krippe in Annaberg grüße ich euch sehr herzlich und wünsche ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest. Möge eure Freude groß sein. Im folgenden, ein paar Gedanken über die Weihnachtsfreude, die gesungen werden will.

Freude, Freude

„In dulci jubilo“. Für mich ist es eines der seltsamsten, zugleich aber auch schönsten Weihnachtslieder. Es enthält vierzehn lateinische und vierzehn deutsche Zeilen, akkurat ineinander verschachtelt. Man versteht eigentlich nur die Hälfte. „In dulci jubilo, nun singet und sei froh, unsers Herzens Wonne leit in praesepio.“

Klingt ein bisschen wie Kauderwelsch. Aber wenn man aufhört, den Text verstehen zu wollen, dann entfaltet er eine ganz eigentümliche Schönheit. Denn er ist gereimt: Ubi sunt gaudia? Nirgend mehr denn da, da die Engel singen nova cantica. Das klingt doch schön, oder?

Das Lied ist gleichsam ein Sprachspiel, das zwei unterschiedliche Sprachen ineinander webt. Häufig entstanden solche Texte auch als Spottgedichte, denn sie machen sich über Leute lustig, die mit ihren Sprachkenntnissen prahlen, aber die fremde Sprache nicht wirklich beherrschen.

Als Erfinder dieser speziellen Sprachform gelten Tifi Odasi und Teofilo Folengo. Beide lebten im 15. bzw. 16. Jahrhundert in Italien – wie sollte es anders sein? Sie nannten ihre Kunst makkaronische Dichtung. Ob sie dabei an die Nudeln gleichen Namens dachten, ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich. Denn im Mittelalter bezeichnete man verunglücktes Latein auch als Küchenlatein. Dementsprechend gab man den makkaronischen Versen im Deutschen auch den Namen Nudelverse.

Ich finde diese spielerische Sprachverwirrung freilich wunderbar passend. Denn man kann vielleicht gar nicht schöner vor Augen führen, was zu Weihnachten geschieht, ist schwer mit Worten auszudrücken. Da kann man eigentlich nur stammeln und Kauderwelsch hervorbringen. „Trahe me post te.“ Eine schöne Kuriosität am Rande ist, dass die lateinisch-deutsche Fassung des Liedes in das katholische Gesangbuch „Gotteslob“ aufgenommen wurde, während das Evangelische Gesangbuch eine rein deutsche Fassung enthält. Wir Evangelischen meinen wohl, alles erklären zu müssen.

„In dulci jubilo“. Wenn ich den Text einfach lese, erscheint er als babylonische Sprachverwirrung. Wenn er aber gesungen wird, klingt er süß und lieblich. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass wir gerade zu Weihnachten so viel singen. Wo die Worte aufhören, fangen die Töne an. Weihnachten ist kein sinnvoller Gegenstand einer akademischen Vorlesung. Weihnachten will gesungen werden, der Text ist dabei nicht das Entscheidende. Wichtig ist vor allem, dass die Freude Raum gewinnt.

 

Ubi sunt gaudia?
Nirgend mehr denn da,
da die Engel singen
nova cantica
und die Schellen klingen
in regis curia.
Eia, wärn wir da!
Eia, wärn wir da!

Verfasser unbekannt, GL 253,3

 

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