Für Friederike Seerig
Neulich fragte ich nach Themenvorschlägen für neue Kolumnen. Friederike äußerte den Vorschlag, ich solle einmal etwas über Flohmärkte schreiben. Dieser Aufgabe habe ich mich gern gestellt.

Der Flohmarkt. Nun, dass es so einfach wäre, hätte ich nicht gedacht. Der Flohmarkt verdankt seinen Namen tatsächlich den Flöhen. Ich hätte eher vermutet, dass er über vielerlei verworrene Umwege seinen Lauf nahm, also etwa über das englische Flow oder die lateinische Flora zu dem fand, was er heute ist, ein Umschlagplatz – meist unter freiem Himmel – für jegliche Art von Trödel, Gerassel oder Vintage-Klamotten.
Den einen sind sie Lumpen, den anderen Schätze.
Etwa 150 Jahre ist er wohl alt, entstanden in französischen Gefilden. Und – klar! – wer betagte Gewänder erwirbt, muss in der Regel nach den Flöhen nicht lange suchen.
Freilich sehen das nicht wenige gänzlich anders. Der Flohmarkt ist ihnen ein Tummelplatz, voller bislang ungehobener Schätze. Er bietet Raritäten feil und stachelt die Kreativität an. Aus diesem
alten Draht lässt sich natürlich eine Designerlampe basteln, und aus jenem leicht vergilbten Stoff ein sexy Shirt oder gar ein fescher Rock.
Unterhemden, Videokassetten, Bierdeckel, Wanderabzeichen, Türklinken, Wasserhähne, halbe Stühle und ganze Autogrammkarten von Elvis. Eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt. Es kann nur sein, dass man ziemlich lange
danach suchen muss.
Wer die Zeit hat, kann sie auf einem Flohmarkt sicher auch einmal vergessen und sich im Finden verlieren. Wer gern feilscht, findet hier sowohl Opfer als auch Meister. Wer Dinge mag, die keiner braucht, ist hier genau richtig.
Es gibt offensichtlich viele Gründe, einen Flohmarkt aufzusuchen (die kleinen Beißer nimmt man dafür vermutlich gern in Kauf!). Der Besuch ist immer ein Abenteuer. Die Waren sind in der Regel
preiswert, auch wenn man vermutlich in der Regel am Ende etwas ganz anderes erworben hat, als ursprünglich geplant. Man trifft viele Menschen. Man sieht vieles, von dem man nicht
dachte, dass es noch existiert. Man darf sich wohl zugute halten, der Nachhaltigkeit zu fröhnen, erweckt vielleicht gar Totgesagtes neuem Leben. Man reduziert Abfall, indem man ihn kurzerhand zum neuesten Schrei umetikettiert. Wenn man Glück hat, gibt es noch eine Prise frische Luft dazu und ein kleines Guthaben auf dem Schrittzähler.
Und mit dem leicht vernarbten Emailletopf im Rucksack könnte man sogar meinen, einen nostalgischen Sonntagsausflug unternommen zu haben. Jetzt noch einkehren bei Ilse und Willi,
und der Tag hätte kein besseres Vintage-Kleid empfangen können.
Aber Achtung! Mancher lässt auch mehr, als er empfängt. Und unter den vielen lieben Menschen, soll es am Ende gar einige wenige Gangster, Gauner oder Halsabschneider geben. So
hört man.
Manche sagen daher auch: wenn du mit dem lieben Schatz hingehst, musst du dort keinen anderen erwerben, der ohnehin nie gleichermaßen bedeutsam sein könnte. Du kannst ein leeres
Portemonnaie mitnehmen, oder dich auf andere Weise schützen, wenn du denn willst. Oder du genießt den Kram und die Krämer, feilschst mit den Feilschenden und freust dich am Ende über
die überraschenden Wendungen, die dein Feldzug nahm.
Flöhe hüten ist kein leichtes Unterfangen. Aber gewiss wurden auch manche Ehen auf einem Flohmarkt angebahnt oder es wurden Romane geschrieben, die aus vielerlei Flohmarktgedanken ihren Ausgang nahmen.
Der gute alte Flohmarkt. Ich kenne ihn freilich eher vom Hörensagen. Aber ein bisschen Sympathie hege ich schon, vermute ich.

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