Behütet leben

Gastbeitrag von Charlotte

Ihr Lieben, ich freue mich immer, wenn der Austausch bei Insta dazu anregt, dass Leute selbst Texte schreiben, sich Gedanken machen und wir in den Dialog kommen.

Neulich fragte ich, zu welchen Themen ich vielleicht einmal eine Kolumne schreiben soll. Da kam zum Beispiel der Vorschlag, etwas über Flohmärkte zu schreiben, was gestern geschehen ist. Weiterhin kam der Vorschlag, das Thema behütet Leben aufzugreifen. Dazu hat mir Charlotte einen Text geschickt, den ich mit ihrer Zustimmung hier sehr gerne veröffentliche.

Behütet leben

Der schreibende Pfarrer von St. Annen hat schon wunderbare Bücher veröffentlicht und schreibt heitere Kolumnen. In Social Media ist er sehr aktiv.

Dort tauschen wir uns öfters mal aus, da mir das Spiel mit Worten auch gut gefällt.
Kürzlich fragte er seine Follower, worüber er schreiben sollte. Eine Idee war „behütet leben“.

Daran wollte ich mich gleich selbst versuchen. Ihr müsst wissen, der Pfarrer trägt gern ausgefallene Kopfbedeckungen. Von tollen Hüten über schicke Schiebermützen ist fast alles dabei. 
Er trägt auch den Spitznamen „Modepfarrer“ wegen seines extravaganten Kleidungsstils. Er kommt uns also sehr behütet rein optisch daher.
Ein Grund mehr sich näher mit „behütet“ zu beschäftigen. 

Dieser Schutz des Kopfes von oben vor Sonneneinstrahlung oder anderen Wettererscheinungen ist wohl die eine Seite der Wortbedeutung. Meines Erachtens ist es wohl noch wichtiger auch ohne Kopfschutz behütet zu sein. Jeder kennt das wohlige Gefühl aus Kindertagen zu Hause in der elterlichen Obhut geborgen zu sein.

Der Wunsch nach eben diesem tiefen Gefühl nach Sicherheit und geliebt zu werden begleitet uns ein Leben lang.
Diese Sehnsucht nach diesem Gefühl treibt uns wohl lebenslang an, ähnliche Strukturen zu erschaffen, in der man sich angenommen fühlt. Im Jugendalter zieht es fast alle in die Ferne und der Wunsch „Bleibe behütet!“ schallt hinterher.

Gläubige Menschen bitten damit Gott um seine Fürsorge für den Reisenden. Für andere kann es auch der Aufruf sein: „Kümmere dich von nun an um dich selbst, sei achtsam – im Sinne von setze den Hut auf und übernehme Verantwortung für dein Handeln!“ Wie auch immer „behütet leben“ ist der Grundstein für Freude im Leben. 

Jeder darf wohl um Hilfe und Beistand bitten, doch die Eigenverantwortung zum Schutz des eigenen Wohlfühlens trägt man selbst.

Es nützt der schönste Hut nichts, wenn er in einer herzlosen Gesellschaft getragen wird, wenn der Hutträger deswegen gemobbt wird, man über ihn lästert oder der Neid ihn überfällt. Dann schon lieber eine handgestrickte Bummelmütze von der Liebsten, die vor Kälte schützt.

Sollte sich dieses Gefühl des Behütetseins nicht einstellen wollen, dann bedeutet es, sich so lange auf den Weg zu machen, bis man den passenden Hut findet oder anders: den richtigen Deckel zum Topf.
Dabei darf man auch eigene Grenzen ziehen, alte Hüte wegwerfen und nach vorn schauen und mutig weitergehen.
Sogar ohne Hut und trotzdem behütet.
Ob mit oder ohne Hut bleibt behütet mit diesem Gefühl des Geliebtseins und der Sicherheit aus Kinderzeiten.

Nicht alles steht in unserer Macht, doch jeder darf alles tun, damit es auch den Menschen an seiner Seite gut geht.
Also selbst der Hut sein, der Nächstenliebe aufrichtig lebt. Wir sitzen alle in einem Boot oder unter einem großen Hut. Wir haben die Obhut für unsere Lieben.
In unsicheren Zeiten, wie wir sie gerade wieder erleben, wo Menschen einfach den Hut gegen einen Stahlhelm tauschen, um Länder zu überfallen, müssen wir besonders über unsere eigene Verantwortung  zum „behütet leben“ nachdenken. 

Manchmal findet man auch kaum einen Ausweg aus Situationen und versteckt sich dann lieber unter großen Hüten oder vor einem Mann mit rotem Basecap…
Wer hat hier noch den richtigen Hut auf?
„Glück Auf“  wie man in meiner Heimat im Erzgebirge grüßt, heißt übrigens auch so viel „bleibt behütet“.

Charlotte

Herzlichen Dank, liebe Charlotte!

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