How to do things with bowties

Ein nächstes Auftragswerk

Heute mit Otto in Dresden

Als ich neulich eine Umfrage durchführte, worüber ich mal eine Kolumne schreiben sollte, wurde mir das Thema Bowties vorgeschlagen, der englische Begriff für Querbinder. Diese Chance kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen, denn die Fliegen, wie man die Querbinder umgangssprachlich auch nennt, sind quasi mein Erkennungszeichen.

Erst heute passierte es wieder, dass ich eine alte Bekannte traf, die ich vielleicht 15 Jahre lang nicht gesehen hatte. Ich erkannte sie daher nicht gleich wieder. Aber sie sprach mich an. Hallo Thomas, ich habe dich an deiner Fliege erkannt.

Bierbrauen, Rasenmähen, Vorträge halten, alte Bekannte treffen, auf der Straße angesprochen werden, Lederjacken veredeln und so weiter. Es gibt praktisch nichts, was man nicht mit einem Querbinder erledigen könnte.

Die Fliege ist eine äußerst gesellige Wandergefährtin im Leben. Mir ist daraus in den vergangenen Jahren ein recht umfangreicher Freundeskreis erwachsen. Etwas mehr als 60 Exemplare umfasst mein eigens hergerichteter Fliegenschrank. Und da ich mit vielen von ihnen eine persönliche Geschichte verbinde, habe ich begonnen, Ihnen Namen zu geben.

Übrigens habe ich auch schon darüber nachgedacht, was mit den Fliegen werden soll, wenn ich einmal gestorben bin. Sie sollen möglichst an Menschen weitergegeben werden, die sie auch benutzen. Sie sind für die Erde gemacht und sollen dort verbleiben.

Querbinder sind übrigens auch für die persönlichen Gymnastikübungen geeignet, denn sie helfen, die Fingerfertigkeit zu trainieren. Das Binden einer Fliege ist, so gesehen, nicht nur ein angenehmer Zeitvertreib, sondern auch eine Geschicklichkeitsübung. Freilich ist diese nicht so kompliziert, wie viele denken. Auf jeden Fall ist eine selbst gebundene Fliege einer fest genähten im Zweifelsfall immer vorzuziehen. Ein bisschen kann man dann auch stolz sein, dass man den Knoten irgendwie hinbekommen hat.

Fliegen sind geeignet, mit wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Fliegen benötigen im Reisegepäck nicht sehr viel Platz, selbst wenn du für jeden Urlaubstag eine eigene einpackst.

Und schließlich sind Fliegen auch als Erinnerungsstücke geeignet. Auf diese Weise kam Otto in mein Leben. Nach mehr als zwölf Jahren Mitarbeit in der Landessynode, einem Leitungsgremium der evangelischen Landeskirche in Sachsen, hatte ich heute meinen letzten Sitzungstag. Das ist mir nicht besonders schwer gefallen, denn Gremienarbeit ist nicht immer lustig. Trotzdem wollte ich den Abschied würdevoll zelebrieren. Und so verfiel ich auf den Plan, mir bei einem Herrenausstatter in Dresden eine Synodenabschiedsfliege zu erwerben.

Auf Anhieb fand ich eine, die mir gefiel, und ich nannte sie Otto. Otto war ein sehr geschätzter Freund, leider ist er viel zu früh verstorben. Er leitete die Landessynode 12 Jahre lang. Auch habe ich ihm viele gute Ratschläge und wunderbare Comedy-Einlagen zu verdanken.

How to do things with bowties? Wie man mit Querbindern Dinge tun kann. Die Fachleute wissen: der Titel ist einem Klassiker der Kommunikationstheorie entlehnt. John Austin: Zur Theorie der Sprechakte: (How to do things with Words)

Und das passt: Querbinder sind höchst kommunikativ. Erwähnen sollte ich am Ende vielleicht noch, dass ich bei meinen Lesungen zuletzt manchmal auch eine Schauvorführung im Fliegenbinden eingebaut habe. 😀👍

Hinterlasse einen Kommentar