
Ihr Lieben, ich beschäftige mich heute in meinen Gedanken etwas mit dem Thema nötig und nützlich. Anlass war die Beschäftigung mit dem Thema Schmuck. Ist nur das nützliche nötig? Oder ist gerade das unnütze nötig, und nützlich gar?
In meinem Adventsbüchlein über die Bergmännische Krippe in Annaberg-Buchholz habe ich dazu einige Gedanken aufgeschrieben. Sie scheinen mir heute wiederholenswert. (Man darf sich gewiss auch mal selbst zitieren. 😀) Also denn.
Nötig oder nützlich? Aus dem Fenster meiner Wohnung in Annaberg sehe ich ein Haus mit der Aufschrift: „Nötig und nützlich.“ Es war wohl vor reichlich 100 Jahren eine Kindereinrichtung.
Meine Gedanken richten sich auf das mittlere der drei Worte, auf dieses „und“. Denn ich frage mich, ob es tatsächlich immer das Nützliche ist, das zugleich nötig ist? Sind manchmal vielleicht gar recht nutzlose Dinge nötig? Wie der Müßiggang zum Beispiel?
Im vergangenen Jahr erwarb ich auf dem Annaberger Weihnachtsmarkt eine
Wichtelschneiderei. Ein feines, kleines Kunstwerk, gewiss. Aber sicher war es nicht unbedingt nötig, ein solches zu erwerben. Ich hätte das Geld spenden oder in eine unbestritten nützliche Erwerbung einbringen können.
Nun, die Wichtelschneiderei wurde mir bei längerer Betrachtung dann doch in
überraschender Weise nützlich. Und vermutlich hatte ich genau das nötig.
Ich muss nämlich zugeben, dass ich zu den Menschen gehöre, die nicht immer genug Stoff zur Verfügung haben. Mir mangelt es gelegentlich an Ideen oder schlicht an Material, um Aufgaben, die mir gestellt sind zu erfüllen. In solchen Momenten empfinde ich durchaus einen Stoffmangel.
Und vielleicht bin ich dabei in guter Gesellschaft. Mir fehlt Stoff, so spricht etwa der Poet, dem es an Reimen gebricht.
Die Redakteurin beklagt selbiges auf der Suche nach Themen im Sommerloch.
An Stoff mangelts dem Pfarrer zuweilen im Predigtatelier. Und auch manche Bloggerin beklagt die stoffliche Abstinenz.
Ohne Stoff ist man schnell bloßgestellt.
Es webt und wirkt der Mensch Zeit seines Lebens, zuweilen verstrickt er sich oder spinnt gelegentlich. Er fädelt neues ein, hat seine Lieblingsmaschen. Nicht immer sieht er den roten Faden. Aber Stoff hat er immer.
Die Wichtelschneiderei erinnerte mich nämlich daran, dass mein Stoffmangel auch in einer zu engen Fassung des Begriffs „Stoffe“ begründet sein könnte. Wenn ich mir Gott einmal als einen Tuchmacher vorstelle, dann ist er auf jeden Fall ein solcher, der mir Stoffe in höchster Vielfalt und Variabilität zur Verfügung stellt. Nur merke ich leider nicht immer, dass man aus ihnen viel Gutes schneidern könnte. Ich bin zu sehr auf eine bestimmte Schnittmusterbögen
fixiert.
Möglicherweise mangelt es also nicht an Stoffen, sondern an offenen Augen für all die großen und kleinen Dinge, mit denen Gott mein Leben ausstattet.
Und in der Tat: Stoffe gibt es allenthalben. Vielfältig wie das Leben sind sie. Abwehrstoffe, Altstoffe und Brennstoffe,
Dämmstoffe und Duftstoffe, Farbstoffe sowieso. Kraftstoffe neben Kunststoffen,
Leuchtstoffe neben den Lockstoffen.
Nährstoffe, so wenig zu vergessen wie Reststoffe, Rohstoffe oder Sprengstoffe.
Zuletzt auch Treibstoffe, Wertstoffe, Wirkstoffe und viele andere mehr.
Am Ende bin ich gar versucht zu fragen: wohin nur mit dem vielen Stoff? Nun, es werden sich gewiss Verwendungsmöglichkeiten finden. Solange jedenfalls dem Schöpfer der Stoff nicht ausgeht, will auch ich den Stoffwechsel in Gang halten. Neues erproben und bewährtes pflegen.
Wie ich also merkte, dass das Leben stofflich über einen schier unendlichen Vorrat verfügt, wurde mir’s zum Sauerstoff und Zündstoff gleichermaßen.
Manches hängt am seidenen Faden, wie man sagt. Nicht zuletzt die Lebensfreude und Kreativität. Und so hoffe ich, das Nötige möge mir recht oft nützlich werden. Zugleich aber möge das Unnütze mir ab und an nötig erscheinen.

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