
In Deutschland ist das Glück unpopulär. Könnte man meinen. Denn die schlechthin glücklichste Farbe gilt als durchaus unbeliebt.
Wir reden von Orange, der nach Meinung von Frank Sinatra glücklichsten Farbe der Welt. Immerhin stillt der Verzehr einer durchschnittlich großen Orange den Tagesbedarf eines Menschen an Vitamin C. Psychologisch betrachtet gilt die Farbe als kommunikativ und stimulierend.
Gerade darum müsste sie eigentlich recht häufig anzutreffen sein. Im Gegensatz dazu scheint sie aber eher eine Nischenfarbe zu sein. Ich habe mal mein Bücherregal angeschaut und festgestellt, dass es ziemlich wenige Bücher mit orangefarbenen Cover gibt.

Und auch im Modegeschäft hielten sich die orangenen Töne eher versteckt.

Nur punktuell traten sie mal in den Vordergrund, waren dann aber wiederum ziemlich auffällig.

Vielleicht ist Orange einfach eine widersprüchliche Farbe. Manchen gilt es als jugendlich. Anderen wiederum als ein Zeichen der Reife. Einige finden Orange peppig, andere recht plump. Nun, ich selbst bin dem Orange gegenüber nicht abgeneigt. Aber das gilt nicht als Maßstab, denn häufig gefallen mir Dinge, die nicht unbedingt allen gefallen.

Wie ist es also: ist Orange eine glückliche Farbe? Mir persönlich scheint diese Frage unentschieden. Aber vielleicht ist ja gerade das der Schlüssel zur Antwort. Denn das Glück ist generell unberechenbar, eben so unberechenbar ist die Farbe orange. Mal leuchtet sie und erfreut das Herz, mal nervt sie und wirkt zu drall. Orange ist so überraschend wie das Glück. Und wie heißt es so schön: mach darüber nicht so viel Zinnober. Zinnober ist eine Redewendung für einen unnötigen Aufwand. Zugleich ist Zinnober ein Teil der orangefarbenen Familie, allerdings sehr ins Rote übergehend.
Je mehr man über das Glück nachdenkt, desto weniger, erlebt man es. Machen wir also nicht so viel Aufhebens um die schöne Farbe Orange. Tragen wir sie einfach, wenn wir wollen. Und wenn wir es nicht wollen, dann nehmen wir eben Zinnober, Apricot, Koralle, Goldgelb oder Safran.


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