Innerhalb der vielerlei Sehenswürdigkeiten im Schlösserland Sachsen nimmt das Modeschlösschen eine ganz eigene Stellung ein. Gattungsmäßig gehört es zur Gruppe der Lustschlösser. Möglich wäre auch die Zuordnung zu den Jagdschlössern, was aber seltener erwogen wird.

Vorrangig dient es repräsentativen Zwecken und steht damit im Gegensatz zu einer Modeburg, die eher verteidigenden Charakter hätte.
Im Modeschlösschen residiert die Mode, eine Dame voll guten Geschmacks. Ein Modepalast wäre ihr viel zu protzig und in jeder Hinsicht übertrieben. Die Mode muss nicht prahlen, sie kann durch wohlüberlegte Kleinigkeiten punkten.
Auch ist das Modeschlösschen kein Herrenhaus oder gar Modeamt, vielmehr gibt es dem Spielerischen und Filigranen Raum. Nicht Feldherren oder Richter, eher Prinzessinnen bringt es hervor.

Mit seinen Spiegeln, Thronen, Zeptern und Krönchen in vielerlei Gestalt steht es offen für Reisende jeglicher Art. Es lädt zum Verweilen, Besichtigen, Ausprobieren oder einfach nur Plaudern ein. Es bietet Räume für den Perspektivwechsel zwischen Zweifeln und Glauben, Lachen und Klagen, Neugier und Umkehr.
Allerdings muss auch gewarnt werden. In ihrem kleinen, schicken Anwesen präsentiert sich die Mode nicht selten als eine launige und unberechenbare Gebieterin. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Heute hier, morgen dort. Das einzig stete ist ihre Begeisterungsfähigkeit. Denn alles tut sie mit ganzer Leidenschaft, sie tanzt wild und gibt sich im nächsten Moment geschäftig und ernst. Sie schreit und sie flüstert, beides mit ganzer Hingabe. Und natürlich ist sie auch ein bisschen eitel und selbstverliebt.
Ein schlichtes Reihenhäuschen wäre ihr daher auch nicht recht. Vielmehr ist das Schlösschen genau ihr Ding. Nicht die Laube, auch nicht der Palast.
An den Abenden sitzt die Mode versonnen in ihrem Sessel, studiert Kataloge und beschaut Prospekte. In ihren Gedanken kleidet sie den kommenden Tag ein und spricht bei sich: My Home is my Castle.


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