Das „Neinerlaa“ für 2024

Meine Wünsche zum Neuen Jahr für die Leserinnen und Leser der Schnürsenkelkolumne

Im Erzgebirge isst man Neunerlei. Zu Weihnachten. Und jede der neun Speisen hat eine Bedeutung. Die Linsen stehen z. B. dafür, dass dir das Kleingeld nicht ausgehen möge. Alles weitere verrät dir der Google-Translator: Erzgebirgisch – Deutsch.

Was aber die wenigsten wissen: Neunerlei geht auch gänzlich ohne Kochen. Es gibt nämlich auch ein Neunerlei in Kleiderform. Und das schöne darin ist, jeder kann sich sein eigenes Neunerlei zusammenstellen und der Welt verkünden, wofür die Zutaten stehen. Manchmal braucht es gar keine Worte dazu. Jedes Outfit erzählt eine Geschichte vom Leben, geschneiderte Theologie gewissermaßen. (Na gut, das ist jetzt ein bisschen steil formuliert.)

Man sollte auch wissen, ein Neunerlei ist niemals vollständig. Jedes Neunerlei ist immer eine Auswahl. Es deckt natürlich nicht alles ab, was bedeckt sein möchte. Man kann nach Belieben Teile hinzufügen, sollte man sogar.

Als ich neulich im Annaberger Ratskeller Neinerlaa aß, wurde mir gesagt, dass man von jeder der neun Zutaten mindestens drei Löffel essen müsse, damit das Ganze wirkt. Mein Neunerlei ist einfacher. Es reicht, wenn Ihr drei Zutaten auswählt und den Rest „eigenmächtig“ gestaltet.

Hier also nun mein persönliches Neunerlei für Euch. Es drückt Meine Segenswünsche für das Jahr 2024 aus. Möge es euch an Fliegen, Mützen, Knöpfen, Tüchern, Lederjacken, Westen, Schals, Hemden und guten Schuhen im neuen Jahr nicht fehlen.

Die Fliege, ist im Gegensatz zur Krawatte niemals langweilig. Sie steht für Kreativität und Lebensfreude, Lust am Spiel. Auch wenn sie schief gewickelt ist, sieht sie immer noch gut aus. Sie drückt aus, dass das Leben ein Geschenk ist.

Die Mütze steht für Schutz und Wärme, für das Gefühl behütet zu sein. Sie ist etwas lässiger als der Hut und lässt den Segen, der auf dir ruht, quasi alltäglicher erscheinen.

Der Manschettenknopf gibt deiner Freiheit eine Form. Er lässt dich nicht zugeknöpft wirken, aber auch nicht für alles offen. Und ganz nebenbei lässt er den Gentleman in dir erwachen. Du wirst quasi automatisch zuvorkommend und hilfsbereit. So wirkt es jedenfalls. Funktioniert aber nicht immer.

Das Einstecktuch gehört zu den Dingen, die keinen Zweck erfüllen, aber schön sind. Als Gott die Welt erschuf, hatte er Lust, ein paar Dinge zu kreieren, die niemand braucht, aber doch alle vermissen würden.

Die Lederjacke lässt dich dein Geburtsjahr vergessen. Sie ist zeitlos und quasi ein Symbol der Ewigkeit. Im Himmel tragen sogar die Engel Lederjacken. Das weiß man allerdings nicht genau. Mit jeder Narbe wird die Lederjacke schöner. Du wirkst erfahren, aber nicht altklug.

Eine Weste steht dafür, dass Schönes nicht gänzlich unpraktisch sein muss. Im Winter ist sie Gold wert, im Sommer einfach stylisch. Und sie ist zusätzlich auch noch eine friedfertige Begleiterin. Entgegen der landläufigen Meinung verträgt sie sich mit beinahe allen, auch mit Jeans.

Der Schal steht für die unzähligen Varianten, in denen sich Lebenswege ihre Bahn suchen. Gerade, verschlungen, kurvenreich und teilweise verknotet. Er kann regelrecht zum Labyrinth werden. Wechselnde Pfade, und jeder ist auf seine Weise schön.

Das Hemd steht dafür, dass alles eine gute Grundlage braucht. Es ist gleichsam das ABC, das man erlernt, bevor man mit den Wortspielen beginnt. Vergleicht man die Mode mit der Theologie, so ist das Hemd die fundamentaltheologische Einleitung, auf deren Grundlage man seinen Stoff entwickeln kann. Themen der Fundamentaltheologie sind u.a.: Glaube und (Un-)Vernunft, Bekenntnis, Kommunikation und Erkenntnis.

Ohne gute Schuhe wird die Wanderung zur Qual. Sie geben dir Trittsicherheit und Stehvermögen. Zwar wird der Mensch nicht durch Werke selig, aber durch Schuhwerke gewinnt er an Selbstvertrauen und Mut. Hab ich beim Wandern ausprobiert. Auch beim „City-Jogging“.

2 Antworten zu „Das „Neinerlaa“ für 2024”.

  1. ..einfach herrlich

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