
Zuerst veröffentlicht im Annaberger Stadtanzeiger 05/2024
Klaus Illgen gehörte zum Urgestein der Annaberger KÄT. Aber natürlich war auch er längst nicht von Anfang an dabei, denn die KÄT gibt es immerhin schon seit 504 Jahren. 1520 fand sie zum ersten Mal statt, wenn auch noch nicht unter diesem Namen. Dieser ist wohl erst seit dem 19. Jahrhundert üblich.
Klaus Illgen verkaufte u.a. Lose und war über Jahrzehnte Vorsitzender des mittelsächsischen Schaustellerverbandes. Am 2. Mai verstarb er im Alter von 76 Jahren. Er muss offenbar eine Legende gewesen sein und in der Gemeinde der Schaustellerinnen und Rummelplatzfreunde höchst beliebt. Bereits seit 1831 ist seine Familie auf den Volksfesten und Jahrmärkten unterwegs. Nun führt der Sohn das Werk fort.
Für einen Moment hielt das Karussell an und die Schießbuden pausierten, als die Kunde von seinem Tod durchdrang. In aller Trauer war aber natürlich klar: Das Leben KÄT weiter. Gefahren werden muss. Auch wenn die Gewinne an der Losbude mager ausfallen sollten, das Riesenrad dreht sich. An Zuckerwatte und Pommes möge es nicht mangeln.
Und natürlich ist die KÄT vor allem dieses: eine große Familie. Sie gilt als das größte Volksfest Sachsens, in diesem Jahr vom 31. Mai bis zum 9. Juni, wie immer in Annaberg-Buchholz. Eine reichliche Woche lang herrscht Ausnahmezustand, wenn der Autoscooter Fahrt aufnimmt, Booster-Maxxx seine Runden dreht oder der Fortress-Tower in schönstem Licht erstrahlt. Thriller pur am Wellenflug. Soundmachine trifft Breakdance. Da wird nicht lang gefackelt, sondern gleich zum Megafeuerwerk gegriffen.
Jüngst habe ich eine kleine Umfrage via Instagram durchgeführt. Circa 50 % der über 50 Teilnehmenden gehen mehrmals jedes Jahr auf die KÄT. Weitere 18 % mindestens einmal jährlich. Nur 22% entziehen sich dem Vergnügen gänzlich. Vielleicht auch aus Unkenntnis.
Man denkt nicht, dass das Ganze mit der Anlage eines neuen Friedhofs in Annaberg begann. Dieser wurde im Jahre 1519 geweiht und mit heiliger Erde aus Rom ausgestattet. Nicht zuletzt bestand das Ansinnen darin, Annaberg als Wallfahrtsort zu etablieren.
Und tatsächlich: der Plan ging auf. Bis heute zündet die Völkerwallfahrt jedes Jahr. Die Massen strömen. Der Big Spin Jumper lockt.
Nun ja, der religiöse Hintergrund geriet ein bisschen in Vergessenheit. Aber immerhin feiert man, wie ich hörte, am 9. Juni zum Abschluss des munteren Treibens auf dem KÄT-Platz einen KÄT-Gottesdienst in @st.annenkirche. Dort wird sicher auch an Klaus Illgen gedacht. Eine Insta-Nutzerin schrieb mir übrigens, dass die KÄT sie „auf eine Art melancholisch, bald nostalgisch, aber immer glücklich“ stimme. Allerdings war der Ankauf von Losen durch die Mutter früher leider nicht geliked worden. Reine Geldverschwendung, wie sie meinte. Noch besteht aber die Hoffnung auf „Wiedergutmachung“, wenn sich nämlich die inzwischen zur Oma gewordene Mutter an einem schönen Junitage eine Zeit lang um das Enkelkind kümmern würde, damit die Tochter auch dieses Jahr nicht eines KÄT-Besuches entbehren müsse. Wir hoffen das Beste, müssen am Ende freilich auch zugeben: selbst haben wir die KÄT noch nie besucht. Aber 2024 wird es werden. Und dann ist das erste Jahr in Annaberg vollständig durchlaufen. KÄT schie.

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