Tausend Dinge. 4. Der Stift

Meine Beziehung zu Stiften ist ein bisschen gespalten. Schönschreiben war noch nie mein Lieblingsfach. Zeichnen erst recht nicht. Und heute ist es so, dass ich manchmal selbst kaum lesen kann, was ich mit dem Stift geschrieben habe.

Andererseits mag ich es, Dinge die mir von besonderer persönlicher Wichtigkeit sind, handschriftlich in ein Notizbuch einzutragen. Das sind Reflexionen, Pläne, offene Fragen oder auch Gedanken für neue Texte. Auch habe ich einen derzeitigen Lieblingsstift, der mit einem Goethezitat versehen ist: „Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast“. Schön ist meine Handschrift zwar nicht, aber mit großer Hingabe signiere ich genau mit diesem Stift meine Bücher, sofern gewünscht. Wenn ich zu Lesungen geladen bin, habe ich ihn eigentlich immer dabei.

Manchmal scheint es mir einfach zu anonym, Worte und Sätze in die Tastatur zu hacken und sie dann – sofern die Brille es zulässt – am Bildschirm noch einmal durchzulesen. Kurz gesagt: Seit einigen Jahren habe ich die Stifte wieder ins Herz geschlossen.

Mein aktuelles Notizbuch trägt den Namen Ernst. Denn auch wenn ich normalerweise eher mit einem Augenzwinkern das aufschreibe, was mir so einfällt, so meine ich es trotzdem immer ernst. Ich suche, das Leichte im Schweren zu entdecken, und das Schwere im Leichten. Dabei hilft mir mein Stift.

Es war daher eigentlich folgerichtig, dass ich seit ca. 2 Jahren neben meinem persönlichen Account bei Instagram einen zweiten unter dem Namen „thomas_und_der_stift“ führte. Zugleich war es freilich ein bisschen unpraktisch, denn dummerweise postete ich einen Beitrag über das Schreiben manchmal an der falschen Stelle. Oder ich tat Dinge doppelt, weil sie sowohl den Menschen Thomas als auch den Schreiberling gleichen Namens betrafen. Vermutlich hatten beide Accounts auch zu einem großen Teil dieselben Follower. Meine Absicht war, die schriftstellerische Tätigkeit ein bisschen abzutrennen, weil sie vielleicht nicht viele interessieren würde und Hinweise auf literarische Projekte sicher auch hier und da nerven können. Aber sie gehören eben auch zu meinem Mensch-Sein. Und so habe ich den Menschen und den Stift wieder zusammengeführt und heiße jetzt einfach Thomas Knittel, der ich ja schon immer bin.

Sodann fiel mir schließlich auf, dass auch der Mensch Thomas nicht ohne Stift zu denken ist. Denn nichts anderes als die deutsche Wiedergabe des lateinischen „stilus“ ist der Stift. Und mit Stil beschäftige ich mich auch, wenn ich nicht schreibe. Er ist gleichsam die Handschrift meines begehbaren Kleiderschranks. Was an sich stilvoll ist, davon verstehe ich gar nicht so viel. Aber eines verstehe ich: mein ganz persönlicher Stil ist mein Stift.

So gesehen haben der Stift und der Stift zusammengefunden. Beide heißen in meinem Falle Thomas. Andere Stile schreiben schöner, sind gefälliger oder ernsthafter, aber mein Stift ist mein Stift. Auch wenn ich ihn teilweise schwer entziffern kann, mag ich ihn doch. Schön, dass es Stifte gibt.

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